Chronik Boule

Boule

Wie alles begann ....

Als jüngste Abteilung im altehrwürdigen Verein (125 Jahre!) erscheint es logisch, dass wir nicht viel zu berichten hätten. Doch einiges können wir inzwischen zusammentragen. Sehen wir mal von der Geschichte des Kugelsportes ab, die ganze Bände füllen könnte. Bedenkt man, dass das Spielen mit hölzernen oder später mit eisernen Kugeln bereits in der Antike Erwähnung fand. Mittelalterliche Mönche spielten es in ihren Klosterhöfen so intensiv, dass es bischöfliche Verbote gab, die „Gott sei Dank“ missachtet wurden. Zwischen den Hinrichtungen seiner Frauen spielte es mit Begeisterung auch Heinrich VIII. von England. Sir Francis Drake soll seelenruhig seine Partie „Bowls“ zu Ende gespielt haben, um danach die spanische Armada zu schlagen. Das heutige Boulespiel, exakt bezeichnet als „Petanque“, ist übrigens jünger als Z88. Es entstand etwa um 1910 in der Nähe von Marseille.

Nun sind wir doch mittendrin in der Geschichte dieses seltsam anmutenden Spiels mit seinen teilweise unverständlichen Ritualen. Von außen betrachtet scheint es ja auch absurd, dass Erwachsene Menschen scheinbar sinnlos Eisenkugeln durch die Luft werfen. Jetzt muss der Chronist aber endlich die Z 88 Bouleabteilung in seinen Fokus stellen.

 

Bekanntlich entstehen die besten Ideen in der Kneipe. So geschehen in Zehlendorf beim Wein oder Bier im „La Fontaine“ in den Jahren 2005/06 mit folgendem Dialog:

Frage:“ Was hast du denn da in der kleinen Ledertasche drin?“

Antwort:“ Das sind Boulekugeln. Ich komme gerade von einem offenen Turnier aus Charlottenburg. Leider verloren.“

Ein Anderer:“ Ich wusste gar nicht, dass hier in Berlin Boule gespielt wird. Ich hab mal in Frankreich im Urlaub mit den Franzosen gespielt. Ich glaub, ich muss noch ein paar Kugeln im Keller haben.“ Usw.usw...

Ein kleines Grüppchen von Frankophilen und –phonen kamen im Laufe der Zeit immer wieder ins Gespräch um das importierte Spiel. Wie ein Blitz schlug auf einmal die Kunde ein, es gäbe hier in der Nähe eine Boulebahn. „Eine Boulebahn hier in der Nähe? Vor der Haustür? Hier in Zehlendorf“ Phantastisch!!! Wo?“ „Neben der Kasinoterrasse auf dem Klubgelände von Z 88!“

Angeführt von den eingefleischten „Zettisten“ Mathias Hachmann und Wolfgang Kahl zog das Grüppchen nun aus, um das Areal zu sichten und einige Partien zu spielen. Von Anfang an gefielen die Atmosphäre und das Ambiente des Geländes. Aus dem Grüppchen wurde eine Gruppe, in der nur noch ein Gedanke herrschte:“ Hier könne man doch mehr draus machen!“ Mit viel Enthusiasmus und freiwilliger Arbeit ging sie daran ein Turnier zu organisieren. Als Turnierplatz wurde das Halbrund im alten Sportstadion auserkoren. (Als die Bahnen am 01.10.2006 fertig gezogen waren, gab es in Zehlendorf-Steglitz keinen einzigen Meter Kunststoffwäscheleine mehr.)

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Das erste „Zehlendorfer Open“ war aus der Taufe gehoben. Pessimistisch von der Berliner Bouleszene beäugt, ernteten wir viel Sympathie und Lob ob unserer Improvisationskunst von den zahlreich angereisten Spielern.

Doch noch waren wir Gäste bei Z 88. Wir nannten uns 1. B.37 Equipe La Fontaine. (Hinter 1.B.37 verbirgt sich ein Kryptogramm, dessen Lösung etwas mit Boule zu tun hat. Wer es zu lösen vermag bekommt eine Flasche Sekt im Klubhaus!).

Später am Abend zogen die „Lafontainer“ zurück in ihre Ideenschmiede, um mit stolzer Brust den Erfolg gebührend zu feiern. Zu fortgeschrittener Stunde erhob Bruno Gibard seine Stimme und forderte ähnlich den Rednern der Französischen Revolution die Gründung eines Bouleklubs. Aus der Speisenkarte wurde die Satzung verlesen, befürwortet und kommissarische Ämter vergeben.

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Unter frenetischen Akklamationen war die Spielgemeinschaft geboren. Aber wir hatten keinen „Spielplatz“. Da gab´s nur eine Möglichkeit – Z 88!

Unsere „Kollaborateure“ beim Verein trugen das Anliegen dem Vorstand vor und am 12.12.2006 bestätigte der Verwaltungsrat die Gründung. Die außerordentliche Mitgliederversammlung am 25.01.2007 führte schließlich zur Z 88-Bouleabteilung, kurz „Z-Boule“ genannt. Tja, seitdem sind wir da und es ist doch eine ganze Menge passiert.

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Das Boulodrome wurde gebaut.

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Die Mitgliederzahlen stiegen und einige angesehene Berliner Spieler wurden bei uns heimisch. Eine Ligamannschaft wurde zusammengestellt, inzwischen sind es zwei, die sich mit einigen „Höhen und Tiefen“ in der Landesliga wackerschlagen.

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Saisoneröffnungsturnier, Zehlendorfer Open und das monatliche Ranglistenturnier sind zu Institutionen geworden, die mit Begeisterung sogar außerhalb Berlins angenommen werden und uns rege Teilnahme garantieren.

Seit 2007 richten die Zehlendorfer Schützengilde von 1893 und die Z 88 Bouleabteilung ein gemeinsames Wettschiessen und Boulespielen aus, was letztendlich dazu führte, dass die Gilde heute über einen eigenen Bouleplatz verfügt.

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Das "Blei trifft Eisen" Turnier

 

Rolli – Boule.  Im Mai des Jahres 2008 war es so weit: Die Bouleabteilung setzte das Vorhaben „Boule für Behinderte“ in die Tat um. In Zusammenarbeit mit der Fürst Donnersmarck-Stiftung und dem Vorstand von Z 88 konnten Verträge ausgearbeitet und das Platzumfeld so gestaltet werden, dass ein barrierefreies Boulespielen möglich wurde.

Bei - Gott sei dank - immer sonnigen Trainingstagen pendelte sich die Zahl der          Teilnehmer im Mittel auf sieben Personen ein. Eine höhere Anzahl von Spielern wäre auch nicht leicht zu betreuen gewesen. Mitwirkende waren meist noch ein bis zwei sehr nette Mitarbeiterinnen der Fürst Donnersmarck-Stiftung, die das eine oder andere Mal einsprangen, wenn sich eine ungerade Teilnehmerzahl herausstellte. Der Kurs ging über neun Doppelstunden und ein Abschlussturnier.

Für die meisten der Kursteilnehmer war es das erste Mal, dass sie eine Boulekugel in der Hand hielten und somit eine ganz neue sportliche Betätigung für sich entdeckten.  Aufgrund des hohen Erfolgserlebnisses für jedermann bei diesem Sport waren unsere Teilnehmer auch sofort Feuer und Flamme und kamen dann auch in hoher Regelmäßigkeit zum Training. Sie entwickelten schnell ein gutes Kugelgefühl für das Gewicht (ca. 700g) und die Distanzen und nicht zuletzt auch für das Schießen, welches ein wichtiger Bestandteil des Boulesports darstellt.

Der große Tag kam dann im Juli. - Ein Turniertag der ganz besonderen Art, auf den sich alle Kursteilnehmer schon lange freuten. Auf diesen Tag hat man gezielt hingearbeitet, da alle doch genau wussten, dass dieses Turnier  so angelegt war, damit in jedem Team ein behinderter mit einem nicht-behinderten Sportler spielen konnte.

 

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Es war rundherum eine gelungene Veranstaltung  mit emotionaler Beteiligung, bei der es viele Sieger gab. Neben den Turniersiegern und dem Trainer dürfen sich auch die Bouleabteilung und nicht zuletzt Z 88 als Sieger fühlen. Durch die deutlich sichtbare Ausübung des Behindertentrainings konnten nämlich zwei neue Mitglieder für die Tennisabteilung gewonnen werden. Die Fortsetzung des Rolli-Boules bei diesem Erfolg ist gegeben.

Viele Vereinsmitglieder, die ich vorher nicht kannte, haben mich auf mein Engagement angesprochen und sich durchweg positiv zum Behinderten-Boule geäußert. Ich hatte das so nicht erwartet und es hat mich in meiner Arbeit und zum Weitermachen ermutigt. 

 

Repräsentativ sollen die Gründungsmitglieder Mathias Hachmann, Wolfgang Kahl, Peter Salomon, Frank Rissmann, Bruno Gibard, Walter Alich (der Chronist), Andrea Zoller, Martina Burkhardt, Georg Rosansky und des weiteren die Sponsoren, der Vorstand und der Aufsichtrat genannt werden!  Allen sei gedankt!!

Bildmaterial von G. Rosanski

 

Die Abteilungsleiter seit Bestehen der Abteilung:

 

Jahr

Abteilungsleiter / in

 

 

2006 – 2008

Mathias Hachtmann

2009 -

Gibard, Bruno