Zu unserer Geschichte

Kurze Chronik; eine Zeitzeugin berichtet

1. Kurze historische Entwicklung des Vereins

(ausführliche Darstellung siehe unter Chronik)

 

Das Jahr 1888: Im ca. 3000 Einwohner zählenden Zehlendorf war „Turnen“ ein Begriff, den man nur von der Turnstunde aus den Schulen kannte, oder man gehörte zu einem kleinen Kreis von Männern, der sich einmal in der Woche mit bescheidenem Gerätematerial traf und der sich „Männer-Turn-Vereinigung“ nannte. Mangels Beteiligung wollte man sich in diesem Jahr  auflösen, doch plötzlich kam eine Mehrheit zustande, die eine Umwandlung der Vereinigung in einen satzungsgemäßen Verein erreichen konnte und man beschloss, neben der Männerabteilung eine Jugendabteilung zu bilden.

 

Gründungstag des „Zehlendorfer Turnvereins“ war der 2. Juli 1888. Mit dem Aufruf zum Beitritt im „Zehlendorfer Anzeiger“ hoffte man auf die  Gewinnung weiterer Vereinsmitglieder. Über 10 Jahre hinweg war die turnerische Heimat der Saal eines Restaurants, das einem Mitglied gehörte. Der erste Umzug führte dann in die neu erbaute Gemeindeturnhalle und zum 25 jährigen Jubiläum 1913 konnten die Zehlendorfer Turner in die neu errichtete Turnhalle der Oberrealschule einziehen.

 

Der 1. Weltkrieg brachte die erste ernsthafte Zäsur: Von über 120 eingezogenen Mitgliedern kehrten 21 nicht zurück. Im Kriegsjahr 1917 kam der Vereinsbetrieb völlig zum Erliegen und damit war die hoffnungsvolle Entwicklung aus der Vorkriegszeit unterbrochen.

 

1919: Der sportliche Wiederbeginn führte am 19. August zum Zusammenschluss des Sport-Clubs Zehlendorf (gegründet 1911)  mit dem Zehlendorfer Turnverein (gegründet 1888) zum Zehlendorfer Turn- und Sportverein von 1888  (der bis heute gültige Namen war gefunden). Vorsitzender wurde Karl Harder, der erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung haben sollte.

 

1920: Karl Harders Aufruf in der Vereinszeitung fand begeisterte Zustimmung – der Erwerb eines eigenen Vereinsgeländes. Freudig wurden von Mitgliedern Anleihen gezeichnet und so konnten im September des Jahres für 6 Mark pro Quadratmeter 21 600 qm Gelände erworben werden, vornehmlich das Gelände des heutigen Stadions. Im Folgejahr kamen weitere 10 000 qm hinzu, nämlich das Gelände der heutigen Tennisanlage. Z88 – wie der Verein populär genannt wurde - hatte eigenen Grund und Boden. Am Ende des Jahres feierte man Richtfest des Vereinsheimes, was das gesellige Leben des Vereins aktivierte.

 

1924: Die in Deutschland zu dieser Zeit noch bestehende Unterscheidung von „Sport“ und „Turnen“ führte durch die anhaltende Auseinandersetzung der Dachverbände gegen den Willen der Mitglieder zur Trennung. Die „Sportabteilung“ trug von nun an den Namen „Gelbes Z“, der Turnverein den Namen „Schwarzes Z“. Die Mitglieder beider Vereine verkehrten jedoch stets gesellig und freundschaftlich miteinander. Dieser Zustand der Trennung hielt an bis ins Jahr 1947. Der „Sportverein“ entwickelte in dieser Zeit einen besonders hohen Leistungsstand in Leichtathletik und führte Hockey zu großen Erfolgen. Der „Turnverein“ stärkte seine turnerischen Elemente und wurde besonders groß im Faustball und in der Frauen- und Kindergymnastik.

 

1930: Gegen den Widerstand vieler Mitglieder wurden viele Bäume des Kiefernbestandes gefällt und sechs Tennisplätze errichtet.

 

1947: Der Krieg hatte das Vereinsleben stark gelähmt. Die Amerikaner hatten die beiden Vereine in ihrer alten Form aufgelöst und gemäß den alliierten Anordnungen das Vereinsvermögen beschlagnahmt. Am 7. Juli 1947 gründete ein von den Amerikanern lizenzierter Ausschuss ehemaliger Mitglieder den Verein neu. Von nun an gab es nur noch einen Z88.  Das völlig marode Vereinsgelände und die Gebäude wurden durch den Einsatz der Vereinsmitglieder wiederhergestellt und der Sport- und Turnbereich wiederbelebt. Zu den reaktivierten Sportarten gehörten zuerst die Tennis- und Hockeyabteilung sowie die Faustballer. Um die Leichtathleten und Handballer wieder auf die Beine zu bringen, bedurfte es langer Anstrengungen.

 

In den Folgejahren waren die Vereinsvorstände stets an der Weiterentwicklung des Vereins beteiligt. 1963 – zum 75jährigen Jubiläum  – konnte ein neues Vereinsheim mit Umkleidekabinen und einer Wohnung für den Vereinswirt eingeweiht werden. 1977 wurde ein Umkleidegebäude mit darüber liegender Platzmeisterwohnung, mit Sauna, Trimmraum und Übernachtungsraum eingeweiht.

 

Der immer größer werdende Verein brachte einen erheblichen Verwaltungsaufwand mit sich, so entschloss man sich 1985 zur Einstellung eines hauptamtlichen Geschäftsführers. Der sportliche Bereich war bis zum Jubiläumsjahr 1988 erheblich angewachsen: Badminton, Boxen, Faustball, Gymnastik, Handball, Hockey, Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Tischtennis, Volleyball und Koronarsport mit insgesamt 2179 Mitgliedern. Der einst große Bestand an Turnern löste sich nach 1945 langsam auf und es blieben die turnnahen Sportarten Faustball und Gymnastik.

 

1994 wurde das alte Vereinsheim durch einen stattlichen Neubau mit zwei Stockwerken ersetzt. Das Kellergeschoss bietet neben einem Gymnastiksaal einen zeitgemäßen Kraftraum. Im Obergeschoss befinden sich die Verwaltung und Übernachtungsräume. Die Mitgliederbetreuung ist ebenerdig wie auch die Gastronomie.

 

2. Heute (2012) ist Z88 der größte Sportverein des Bezirks Steglitz-Zehlendorf mit durchschnittlich 2500 Mitgliedern. Folgende Sportarten werden angeboten: Badminton, Boule, Fitness und Gesundheit, Freizeitsport, Gymnastik, Handball, Hockey, Judo, Koronarsport, Leichtathletik, Schwimmen und Tennis.

 

Eine Zeitzeugin im Gespräch

Frau Gerlinger (Nov. 2006)

Alles heiter und harmonisch.
Erna Gerlinger erinnert sich an die alten Z88- Zeiten und an Karl Harder.

Z88 ist einhundertachtzehn Jahre alt, uralt sozusagen. Für manche von uns verschwimmt die Vorgeschichte des Vereins gleichsam im Nebel der vergangenen Jahrhunderte. Dabei gründet unser sportliches Glück auf der Tüchtigkeit unserer Vorgänger. Ohne sie hätten wir keine eigenen Spielplätze, keinen Ort zum Feiern und Relaxen, kein eigenes kleines Reich mitten in Zehlendorf.

Erna Gerlinger erinnert sich daran. Sie ist Jahrgang 1912, als der Kaiser noch regierte, und der Sport gerade begann, die wichtigste Nebensache der Welt zu werden. Auch in Zehlendorf bei Berlin, wo Frau Gerlinger geboren wurde und wo sie, wie später auch ihre Söhne Klaus und Lutz, seither lebte. Das war nicht immer leicht  und auch Z88 hat durchaus schwierige Zeiten hinter sich.

1920 trat die kleine Erna als Achtjährige dem Sportverein bei. Es war eine unruhige, erlebnisreiche Zeit, geprägt von Inflation und politischen Machtkämpfen. Auch im Z88 ging es zeitweise hoch her. Manchmal stand alles auf des Messers Schneide. Da war es ein Glück, dass es Karl Harder gab......

Karl Harder? Erna Gerlinger erinnert sich: Er war ein großer, stattlicher Mann. Tapfer und sehr geschickt. Zweimal war er Vorsitzender unseres Vereins. 1920 bis1924 und 1927 bis 1933. Er hatte eine Tochter, die Faustball spielte. Sie war groß und kräftig und sehr hübsch. Leben wird sie nicht mehr, denn sie war älter als ich und müsste jetzt über Hundert sein.

Frau Gerlinger spielte damals Handball. Sie war Verteidigerin und ist mit ihrer Mannschaft auch einmal Brandenburger Meister geworden. "Die Freude und die Kameradschaft war für uns das Wichtigste. Mein Mann und ich verbrachten jeden Sonntag im Vereinsheim,  wir trafen uns mit den anderen und waren fröhlich miteinander. Auf dem Vereinsgelände haben viele Kinder ihre Ferien verbracht, jene, die nicht verreisen konnten. Soweit ich mich erinnere, ist immer alles heiter und harmonisch verlaufen."

"Waren sie denn auch mal verletzt?" Oh, ja, man musste sehr auf seine Knochen aufpassen. Meine Finger habe ich oft verstaucht. Ich habe heute noch eine Verdickung an meinem Finger, die bin ich nie losgeworden. Um unsere Verletzungen behandeln zu lassen, konnten wir jeden Sonntag ins Krankenhaus Waldfriede gehen. Dort war ein Arzt, der uns versorgt hat. Leider habe ich seinen Namen vergessen. Er war in unserem Verein sehr beliebt, denn er hat uns umsonst behandelt."

Z88 musste jede Mark zusammenhalten. Denn Karl Harder hat in jenem Jahr das Kunststück fertig gebracht, das Vereinsgelände zu kaufen. Am 14. Januar 1920 fand im Kaiserhof die Jahreshauptversammlung statt. Achtzig von damals 394 Mitgliedern nahmen an dieser Hauptversammlung teil und wählten Karl Harder zu ihrem 1. Vorsitzenden.

Am 11. September 1920 war der Vertrag, den Harder zustandegebracht hat, unterschriftsreif. Seither hat Z88 eigenen Grund und Boden. Zuerst 21 000 qm mit einer märkischen Sandwüste als Herzstück. Am 23. Mai 1921 kamen weitere 10 000 qm dazu. Dabei ist es geblieben, obwohl es niemals an Versuchen gefehlt hat, die stattliche Sportanlage dem Verein wieder abzujagen, sie anzuknabbern oder unter fremde Kontrolle zu stellen.

Da war Karl Harder vor. Er muss auch in finanziellen Dingen ein Talent gewesen sein. Doch seine Spur verliert sich. Auch Erna Gerlinger, die zu Harders Zeiten ihre schönsten Sporterfolge feierte, weiß nicht, was aus dem Mann, der die Z88-Fundamente legte, geworden ist. Aber man sollte ihn nicht vergessen.

Beitrag von Regina Halter